15. Okt 2026
Stolpersteine sind kleine Gedenktafeln aus Messing, die auf Betonwürfeln angebracht und meist vor dem letzten frei gewählten Wohnort der Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Sie erinnern an Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert, vertrieben oder ermordet wurden
Das vom Künstler Gunter Demnig initiierte Projekt holt die Erinnerung an die Opfer in unseren Alltag zurück.
Auch in Ellwangen wird mit jedem neu verlegten Stein ein Stück lokaler Geschichte sichtbar und das Gedenken an die Menschen wachgehalten, die einst mitten unter uns lebten.
Am 10. Oktober 2026 wurden zwei weitere Stolpersteine in Ellwangen für Eduard Tischberger und August Raab verlegt. In den letzten Jahren hat das HG in verschiedenen Projekten immer wieder mit der Ellwanger Stolpersteininitiative zusammengearbeitet. Nun hat die Schule die Patenschaft für den Stolperstein für Eduard Tischberger übernommen. Dieser erkrankte Ende der 1920er Jahre an einer psychischen Störung und wurde von den Nationalsozialisten als „unwertes Leben“ schließlich 1940 in Grafeneck durch Gas ermordet. Der Stein für ihn erinnert an einen begabten und musikliebenden Menschen, dem wegen seiner Erkrankung das Recht auf Leben abgesprochen wurde.
Mit der Patenschaft übernimmt das Hariolf-Gymnasium nicht nur die Finanzierung des Stolpersteins, sondern auch die Verantwortung, die Erinnerung an Eduard Tischberger und sein Schicksal an der Schule lebendig zu halten. Damit verbunden ist der Anspruch, eine aktive Erinnerungskultur zu fördern und die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit wachzuhalten.
Die Klasse 10b hat sich im Vorfeld intensiv mit Eduard Tischbergers Lebensgeschichte, dem nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programm und dem Stolperstein-Projekt beschäftigt. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind in einer Plakatausstellung im Schulforum zu sehen.
Auch die Schulgemeinschaft unterstützte das Vorhaben, indem Schülerinnen und Schüler in mehreren Pausen Kuchen verkauften. Der Erlös diente der Finanzierung des Stolpersteins, dessen Kosten durch zusätzliche private Spenden so vollständig gedeckt werden konnten.
An der Verlegung der beiden neuen Stolpersteine beteiligten sich zahlreiche Mitglieder der Schulgemeinschaft des Hariolf-Gymnasiums: Schülerinnen und Schüler kamen gemeinsam mit ihren Eltern, außerdem nahmen Lehrkräfte und die Schulleitung an der Gedenkveranstaltung teil und zeigten damit, dass die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus auch heute ein wichtiges Anliegen unserer Schule ist.
Sechs Schülerinnen und Schüler des Hariolf-Gymnasiums gestalteten die Verlegung zudem aktiv mit: Annika (J2), Elija, Jonathan, Luke und Sofia (alle 10b) leiteten an beiden Gedenkorten das stille Gedenken ein, indem sie Blumen niederlegten und eine Kerze entzündeten. Hannah (J2) setzte sich in einem Redebeitrag mit der Bedeutung der Erinnerungskultur auseinander und erläuterte, warum sie sich immer wieder für dieses wichtige Anliegen engagiert.
So trägt die Schulgemeinschaft des Hariolf-Gymnasiums dazu bei, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in Ellwangen lebendig zu halten und Verantwortung für eine Zukunft zu übernehmen, in der Ausgrenzung, Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit keinen Platz haben.